Offroad-Räder zum Handbike fahren

Offroad-Räder für den Rollstuhl – Bild Nr. 201908131105

Nach einigen Monaten in denen ich ein Anklemm-Handbike vor meinen Rolli spanne, hat sich der eine oder andere Optimierungsbedarf ergeben. Diese Art der Mobilität begeistert mich nach wie vor, auch wenn ich mir diverser technisch bedingter Nachteile bewusst bin. So ist das größte Ärgernis für mich allerdings der schlechte Zustand der Radwege, vor allem bei uns auf dem Land. Da sich daran wohl in absehbarer Zeit nichts ändern wird, war die Entscheidung für Offroad-Räder zum Handbikefahren längst überfällig.

So hatte ich mich für die Räder von Rolko entschieden, die mit leise und komfortable abrollenden Reifen ausgestattet sind. Nun mussten die neuen Räder natürlich an meinen Rollstuhl angebracht werden, wozu es die passenden Steckachsen braucht. Da ich noch zwei *Steckachsenpaare von 108 und 112 mm Länge zuhause hatte, die bislang nicht in Gebrauch waren, habe ich zunächst einmal die 108 mm genommen, die auf Anhieb passten. Allerdings war der Abstand zwischen den Reifen und den Seitenteilen zu gering, so dass die Räder noch etwas auf Abstand montiert werden mussten. Dafür habe ich auf jeder Seite zwei Unterlegscheiben für M12 Schrauben nach DIN 125 genommen. Diese haben einen Innendurchmesser von 13 mm, was gut zu den Steckachsen mit 12,7 mm passt. Da jede dieser Scheiben eine Dicke von 2,5 mm hat, konnte ich den Abstand zum Seitenteil auf beiden Seiten um 5 mm vergrößern. So habe ich schließlich die 112 mm Steckachsen genommen, diese noch etwas in der Länge optimiert, und die Räder damit montiert. Noch schnell den Kompressor dran und den Reifendruck auf 3 bar erhöht und einer Probefahrt stand fast nichts mehr im Weg.

Beim Anschluss des Handbikes stellte ich fest, dass durch den größeren Außendurchmesser der Offroadreifen die Anklemmvorrichtung des Handbikes neu angepasst werden musste. Das war innerhalb 5 Minuten mit einem 6 mm Innensechskantschlüssel auch schnell erledigt und los ging es. Mir fiel sofort auf, wie ruhig und sicher das Gespann fuhr. So manche Unebenheit, die bisher mächtig ins Kreuz ging, erwies sich als harmlos. Kurven konnte ich schneller durchfahren und beim bergab rollen lief der Rollstuhl auch mit über 30 km/h noch angenehm ruhig und stabil. Noch ein kurzer Abstecher auf eine landwirtschaftlichen Weg mit gebrochenen Betonplatten: Diese Unebenheiten konnten die Reifen natürlich nicht einfach so wegbügeln, aber die Gefahr in Längsrillen stecken zu bleiben bestand nicht mehr, und beim Passieren von Querbrüchen waren die Schläge bei weitem nicht mehr so hart wie vorher.

Also war das Ergebnis für’s erste durchweg überzeugend. Wie sich die Bereifung auf den Stromverbrauch der elektrischen Unterstützung auswirkt, muss sich noch zeigen. Ich hatte aber nicht den Eindruck, dass ein erhöhter Kraftaufwand nötig war. Der ganz große Vorteil für mich: Wenn ich bisher zum Brötchen holen in den Nachbarort gefahren bin, musste ich hinterher immer meine Räder säubern, um damit wieder in die Wohnung fahren zu können. Jetzt tausche ich vor und nach der Fahrt vor der Garage die Räder: Die Offroad-Räder können ruhig verschmutzen, die normalen Räder bleiben, während ich mit den anderen unterwegs bin, sauber. Nun bin ich auf die nächste größere Ausfahrt gespannt, sehe dieser aber mit großer Gelassenheit entgegen.


* Noch kurz ein Wort zu den Steckachsen: Je nach Rollstuhl-Fabrikat werden Steckachsen von 12 mm oder 1/2 Zoll (12,7 mm) verwendet. Beim Kauf der Räder ist auf den richtigen Durchmesser zu achten! Die Länge der Steckachse wird von der Kante der Einstellmutter bis zu den Arretierkugeln gemessen. An der Mutter kann die Länge der Steckachse noch über mehrere Millimeter angepasst werden. Dazu werden Gabelschlüssel mit 11 und 19 mm Schlüsselweite benötigt.

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