Die Sache mit der Hilfsbereitschaft

Hilfe braucht hin und wieder jeder

Wenn man Rollstuhlfahrer oder anderweitig schwerbehindert ist, braucht man hin und wieder Hilfe von anderen. Gut, die braucht auch jeder Gesunde hin und wieder, aber es geht hier um die kleinen Handreichungen, wenn Behinderte und Nichtbehinderte einander begegnen. Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich möchte mich keineswegs über mangelnde Hilfsbereitschaft meiner Mitmenschen beklagen, denn es ist eher das Gegenteil der Fall. Sehr oft wird mir als Rollstuhlfahrer Hilfe angeboten, auch wo ich gar keine Hilfe benötige, zum Beispiel um eine Tür zu öffnen, oder einen Stuhl vom Tisch weg oder wieder hin zu rücken, oder ein Tablett zu transportieren. Da nervt die Hilfsbereitschaft schon manchmal ein wenig, aber ich weiß ja, dass es ist gut gemeint ist. Und weil Behinderte nun mal nicht alle gleich selbständig sind, ist es für viele Nichtbehinderte schwer abzuschätzen, wem in welcher Situaton zu helfen ist und wem nicht.

Nicht immer ist es notwendig zu helfen

Warum mich manche gut gemeinte aber vorschnelle Hilfe ohne Absprache gelegentlich stört, möchte ich an einem Beispiel erläutern. Für mich ist das Rollstuhl fahren im Alltag eine Selbstverständlichkeit geworden, und so bin ich im Umgang mit meinem Gefährt sicher und geübt unterwegs. Mehrere Mobilitätstrainings und der eiserne Wille  mit meiner Behinderung selbstbestimmt am Leben teilzuhaben, sind eine starke Motivation. So gerüstet und motviert lässt man sich selbstverständlich auch mal von einem freundlichen Menschen eine Tür aufhalten, wenn er es denn richtig macht. Nur manchmal stellen sich die freundlichen Helfer einfach ungeschickt an, weil sie es nicht gewohnt sind, weil sie unsicher sind oder es nicht besser wissen. Da versperren sie schon mal einen Teil des Durchgangs und am Ende hole ich mir wieder an den Händen Schrammen vom Türrahmen, weil mir der Platz zum Durchfahren fehlt. Das sind die Situationen die mich manchmal innerlich aufbringen, aber wie geht man nun richtig mit einer solchen Situation um?

Ich möchte im folgenden Tipps für beide Seiten geben, was im Umgang zwischen Behinderten und Nichtbehinderten zu beachten ist, damit das Hilfe geben und annehmen in angenehmer Atmosphäre stattfindet, und am Ende eine nette Begegnung steht, an die sich beide Seiten gerne erinnern.

Was Nichtbehinderte tun könnten und sollten

Wer einem Behinderten begegnet sollte immer erst kurz beobachten, ob derjenige dem man helfen möchte, auch wirklich Hilfe braucht, oder ob es besser ist ihm einfach nur den Weg freizuhalten, sonst könnte die Hilfsbereitschaft auch als Aufdringlichkeit empfunden werden. Ist man sich nicht sicher, kann man fragen: „Ist es recht wenn ich Ihnen helfe?“ oder „Benötigen Sie Hilfe?“ Wird Hilfe benötigt, sollte man sich kurz über das Wie verständigen, das ist allemal besser als durch ungestüme Ungeschicklichkeit die Situation zu erschweren. Auch sollte man nicht beleidigt sein, wenn die Hilfe abgelehnt wird, denn die meisten Körperbehinderten legen großen Wert auf ihre Selbständigkeit. Das gilt es zu beachten und zu respektieren. Es kommt eben immer auf die Situation sowie auf die Art und Schwere der Behinderung an. Da kann bei einer anderen Begegnung schon wieder eine ganz andere Situation bestehen. Sensibilität ist hier also stets gefragt.

Wie sich Behinderte verhalten sollten

Das wichtigste ist zunächst einmal zu wissen, dass man als Rollstuhlfahrer oder anderweitig Behinderter bei seinen Mitmenschen Gefühle auslöst, vom Mitleid über Unsicherheit bis hin zu totaler Überforderung oder gar die Angst etwas verkehrt zu machen, ist alles dabei. Dessen sollte man sich bewusst sein, und alles dafür tun, Barrieren zueinander abzubauen. Ein freundliches Lächeln wird in der Regel spontan erwidert und schon ist eine zwischenmenschliche Brücke gebaut. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass es funktioniert. Es ist für Behinderte wichtig zu zeigen, dass sie nicht im Leid versinken, auch wenn es Tage gibt an denen einem nicht zum Lachen zumute ist, aber Freundlichkeit und eine positive Grundhaltung erleichtert das Miteinander enorm. Und jedes Lächeln das erwidert wird, gibt einem Kraft und Mut.

Wird einem Hilfe angeboten, sollte man immer freundlich reagieren und sich bedanken. Man sollte aber auch klare Ansagen machen können, ob oder wie man die Hilfe in Anspruch nehmen möchte. Das hilft beiden Seiten und hinterlässt am Ende das Gefühl, wieder eine nette Begegnung gehabt zu haben. Manchmal sollte man aber auch einfach die eine oder andere Hilfe in banalen Dingen annehmen, auch das schafft eine freundliche Atmosphäre.

Mein persönliches Fazit

Ich selber bin immer wieder von der doch recht große Hilfsbereitschaft positiv überrascht, und gebe mir Mühe, diese auch stets freundlich zu erwidern. Jedes Lächeln und jedes freundliche Wort tut nicht nur den anderen gut sondern auch mir selbst.

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